Donnerstag, 31. Juli 2008

British Columbia, Land der Alkohol-Nazis

Was ist nur los in dieser Stadt?

War gestern abend beim dritten Feuerwerk (siehe Post über Celebration of Light). Wie zu erwarten zeigte China wieder einmal der Welt, wo der Bartl den Most holt. Die Pyrotechnik-Show war um Klassen besser als jene von USA und Kanada - verständlich wenn man bedenkt, dass dort schließlich Feuerwerksraketen erfunden wurden und seit Jahrtausenden Tradition haben.

Gut gelaunt wollten mein Laborkollege Monsieur Dr. Gabriel Leprivier und ich danach ein Fläschchen Wein kaufen, doch vor dem Geschäft bot sich uns folgendes Bild:



Was soll das? An diesem Abend waren tausende Leute in der Stadt und am Meer, und dann schließen die um 18:30? Weil ich gerade in Fahrt bin - weitere enttäuschende Erlebnisse dieser Art:
Letzten Freitag gehe ich mit ein paar Arbeitskollegen in ein Restaurant. An der Bar wollen wir ein Bier bestellen, und da sagt die Kellnerin zu uns: "Wir sind offiziel ein Restaurant und keine Bar, daher dürfen wir nur dann Alkohol ausschenken, wenn gleichzeitig auch etwas zu Essen bestellt wird"...

Mein Wohnungskollege Fabien kommt aus einem Nachtclub und nimmt eine Bierflasche mit nach draußen. Als er also so auf der Straße steht, auf Freunde wartet und dabei sein Bier trinkt, kommt ein Polizist daher. Der Cop befiehlt Fabien, das Bier vor seinen Augen auszuleeren. Fabien tut dies. Als jedoch die letzten Milliliter aus der Flasche fließen, denkt sich Fabien "Eigentlich schade darum" und trinkt den letzten Schluck, ebenfalls vor den Augen des Polizisten. 115 Dollar Strafe für "Drinking Liquor in a public place".

Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er auf ein Musikfestival gehen wird. Dort werden beim Eingang sämtliche Taschen überprüft. Die einzigen Getränke, die man mit hinein nehmen darf sind antialkoholische in verschlossenen, ungeöffneten PET-Flaschen (d.h. das Plastikbändchen rund um den Verschluss muss unversehrt sein). Kein Wunder, dass diese restriktiven Bedingungen den Erfindungsgeist eines jeden normalen Studenten wecken. Die Lösung: Vorsichtig das Etikett der Antialk-Flasche lösen, mit einem Nagel ein Loch stechen, das ungewollte Getränk ausleeren, Hochprozentiges einfüllen, die Öffnung verkleben und das Etikett wieder anbringen, sodass es das verräterische Loch verdeckt. Lächerlich, was man hier alles tun muss, um zu seinem Rausch zu kommen...

Minas Tirith in Vancouver

Kann sich jemand an die Stadt Minas Tirith aus dem Film "The Lord of the Rings" erinnern? Da gibt es diesen großen Baum ganz oben auf der Festung. Habe ein Hochhaus entdeckt, das mich ziemlich daran erinnert. Sieht hier leider nicht ganz so eindrucksvoll aus wie in natura...

Dienstag, 29. Juli 2008

Verrückte Autos Teil 2

Einer meiner Wohnungskollegen hat vor einigen Tagen in Vancouver dieses Auto entdeckt...

Freitag, 25. Juli 2008

Celebration of Light

Ich habe noch gerade rechtzeitig erfahren, dass es hier in Vancouver die nächsten Tage einen gewaltigen Feuerwerk-Wettbewerb namens Celebration Of Light zu sehen gibt!

Das Event findet an 4 Tagen statt. Die USA, Kanada und China bieten jeweils eine 25-minütige Feuerwerk-Show und am letzten Tag führen alle 3 Nationen ein gemeinsames Spektakel auf.

Letzten Mittwoch ging ich also zur ersten Darbietung (Kanada). Von meinem Labor wollte leider niemand mitkommen, also musste ich alleine zu English Bay pilgern. Nun ja, ganz alleine war ich nicht, denn 300.000 Leute hatten zufällig diesselbe Idee. Downtown Vancouver war wirklich gesteckt voll.



Das Feuerwerk an sich war ziemlich eindrucksvoll, allerdings vermisste ich die beim Tullner Feuerwerk üblichen gewaltigen Explosionen direkt über den Köpfen der Zuschauer. Ich vermute, dass das vielleicht in Kanada aus Sicherheitsgründen verboten ist, während sich bei uns der Holzschuh und der Stift Willi einfach nichts scheißen. Darüber hinaus war am Strand natürlich jeglicher Alkohol verboten, was in mir den gerechten Zorn hochsteigen ließ. Umso erstaunlicher, dass man dafür ständig den Geruch von Hashish in der Nase hat - so wie überall in Vancouver übrigens (gestern fuhr auf der Straße am helllichten Tag ein Mann in einem motorisierten Rollstuhl mit hoher Geschwindigkeit und einem durch den Fahrtwind hellrot glühenden Joint im Mund an mir vorbei...)



Das zweite Feuerwerk schaute ich mir von Kitsilano-Beach aus an. Ich wollte diesmal nicht alleine sein und machte mir mit Christian, einem Österreicher, der auch gerade in Vancouver in einem Labor arbeitet, einen Treffpunkt aus. Leider brachten wir es aus verschiedensten Gründen nicht fertig, uns im Chaos der Feuerwerks-Zuschauer zu finden, deshalb sprach ich kurzerhand eine hübsche Französin an, die auch, so wie ich, gerade auf jemanden zu warten schien. Ihre Freunde tauchten auch nicht auf, daher sahen wir uns gemeinsam das Lichtspektakel an. Als ihre Bekannten dann doch noch auftauchten, gingen wir gemeinsam in ein nettes Jazz Lokal fort und ich musste mich (wie so oft in den letzten Tagen) darüber ärgern, mein Französisch so unter die Hunde gehen lassen zu haben.



Viel zu früh für Freitag Nacht kam ich um 2 Uhr zu Hause an und schlug die Zeit mit dem Anschauen einiger "The X-Files"-Folgen tot. Und dann, als ich um 4 Uhr schlafen gehen wollte, ruft mich plötzlich Fabien an, ein französischer Mitbewohner, den ich erst am Tag davor kennengelernt habe, der aber schnell mein Party-Potential erkannt hat und daher wusste, dass ich selbst zu dieser Stunde noch für etwas Bier und Wein zu haben bin.



Mit dabei ein Kanadier japanischer Abstammung (der, wie ich erfuhr, auch bei mir im Haus wohnt, ich ihn aber noch nie gesehen hatte) und ein Franzose namens Luca, der wie ein Falke aussieht aber recht lustig ist. Nach diesem Anschlag kam ich schließlich um 8 Uhr früh ins Bett und wachte am Sonntag um 1900 am Abend auf. Soviel zu einem gut genutzten Wochenende.

Kreative Autos

Ich habe mich immer schon gewundert, warum man im täglichen Straßenverkehr so wenig künstlerisch/kreativ gestaltete Autos sieht. Was Kleidung, Mobiltelefone, Wohnungseinrichtung, etc. betrifft, versucht ja schließlich doch eine Vielzahl von Menschen, eine gewisse Individualität zu erlangen und damit etwas Abwechslung von den standardisierten Modellen zu schaffen.

Nicht so bei Autos, zumindest meiner Erfahrung nach! Ich habe in meinem Leben weniger bemalte Kraftfahrzeuge gesehen als Hausfassaden oder Handycovers. Warum gibt sich der Großteil der Gesellschaft mit den langweiligen, von der Industrie vorgegebenen Lackfarben und -arten zufrieden?

Wer in Sachen Kfz besonders "kreativ" und "außergewöhnlich" sein möchte, der hängt sich wenn es hoch hergeht vielleicht einen Wunderbaum mit exotischem Duft auf den Rückspiegel oder besorgt sich eine Nummerntafel mit irgendeiner persönlichen Nummern- und Zahlenkombination drauf. Davon halte ich nicht viel. Nichtsdestotrotz amüsierte mich folgendes Autokennzeichen, das mit heute morgen auf dem Weg in die Arbeit ins Auge sprang:



Viel interessanter fand ich jedoch ein Auto, das ich wenige Minuten später entdeckte und von dem ich gleich mehrere Bilder poste (einfach draufklicken, um zur hochauflösenden Version zu gelangen):







Mir ist es tatsächlich ein Rätsel, warum es nicht mehr kreativ bemalte/geschmückte Autos gibt! Vielleicht kann ja jemand von Euch einen intelligenten Kommentar verfassen, um diese Frage zu klären...

Montag, 21. Juli 2008

ohne Worte...

Wreck Beach

Wreck Beach ist der westlichste Strand in Vancouver. Er liegt etwas abgelegen und ist nur über einen kleinen Waldweg mit hunderten von Stufen erreichbar. Ich war ehrlich gesagt ziemlich überwältigt von diesem Ort: feiner Sand, türkisblaues Meer und als Draufgabe "clothing optional", also mehr oder weniger FKK, jedoch zum Glück nicht verpflichtend. Alle fünf Minuten laufen vollkommen nackte Männer vorbei und möchten dir Gras, Magic Mushrooms oder wahrsagerische Dienste andrehen, es wird getrommelt, getanzt und wenn die letzten Sonnenstrahlen über dem Horizont verschwinden, dann verabschiedet sich die am Strand versammelte Menschenmenge mit einem lauten Jubelgeschrei von der untergehenden Sonne. Also insgesamt ein bisschen so, wie ich mir Goa in Indien vorstelle.



Barak und seine Freundin Adi (ebenfalls Israeli, ebenfalls Laborkollegin von mir) besuchen diesen Strand hier jeden Tag und meinen, "es gibt keine bessere Weise, seine Freizeit zu verbringen". Mag sein, aber ich habe eine Woche danach noch immer Sand in meinen Schuhen.

Barbecue und andere Lustbarkeiten...

Gerade mal fünf Tage hier und schon ist das Wochende komplett verplant! Freitag abend hatte ich schon bis 5 in der Früh mit Gabriel Leprivier, einem französischen Laborkollegen, gepflegt Bier getrunken und dazu abwechselnd Jazz und die Goldberg-Variationen gehört.

Samstag feierte dann Iveta, eine bulgarische Laborkollegin, ihren Geburtstag und ich verbrachte bei wunderbarem Wetter einen Nachmittag auf Jericho Beach. Da die Organisatoren des Festes die Grillanzünder vergessen hatten, klaubte ich kurzerhand etwas Holz auf und machte ein nettes Feuerchen auf den Kohlen, bis wir eine passable Glut beisammen hatten und ich mich von Bier, brennender Sonne und Rauchgasen benebelt im Schatten ausruhen konnte.



Bei dieser Gelegenheit stelle ich Euch vielleicht einige meiner Laborkollegen vor:



Das ist Dr. Dieter Fink, mein Diplomarbeitsbetreuer. Er kommt aus dem Burgenland und arbeitet nun schon einige Jahre in Vancouver. Wie es aussieht werden wir, so denke ich, miteinander sehr gut auskommen. Zwar habe ich derzeit noch keinen Plan von dem, was wir im Labor machen, aber Dieter zeigt viel Geduld und erklärt mir oft Sachen auch zweimal oder dreimal...



Dieses Bild zeigt Dr. Barak Rotblat aus Israel und den zuvor erwähnten Franzosen Gabriel Leprivier. Gabriel ist im Labor bekannt dafür, dass er erst um 17:00 aufkreuzt, dann bis 23:00 oder später arbeitet und dann ansatzlos auf irgendeine Feier geht. Ich habe mich mit ihm bereits stundenlang über Wein und vor allem Musik unterhalten.
Barak trägt eindeutig den coolsten Namen unter meinen Laborkollegen. Er hat mir mittlerweile im Labor bei ein paar Kleinigkeiten geholfen und ich war mit ihm auf Wreck-Beach (Bericht folgt).



Das ist Jason Wong, soweit ich weiß ein Kanadier chinesischer Abstammung. Ein äußerst freundlicher Typ mit einer großen Vorliebe für Bier (das verbindet!).

Auf dem Grillfest mit dabei waren eine Unzahl an Bulgaren, die selbst-gebrannten Grappa mitbrachten. Dieser war geschmacklich nicht von reinem Ethanol zu unterscheiden und bescherte mir trotz großer Hitze mehrmals eine Gänsehaut.



Gemeinsam betrachteten wir noch den schönen Sonnenuntergang am Meer, dann ging es weiter zu einem Fest des UBC (University of British Columbia) Sailing Clubs, wo eine ziemlich gute Band spielte und eine Menge Leute Party machten. Nur: um 2:00 wird gnadenlos dicht gemacht und die Leute gehen alle nach Hause... What the fuck?

Mein Labor

Sitze gerade im Labor und dachte mir, ich stelle einmal ein paar Bilder von meinem Arbeitsplatz auf den Blog:



Dieses Bild zeigt die British Columbia Cancer Research Agency, in der sich im 3. Stock mein Labor befindet. Laut einer Tafel im Foyer sind die runden Fenster an der Vorderseite des Gebäudes Petrischalen nachempfunden, die Fenster an der Seite sehen ziemlich wie das Gel bei einer DNA-Sequenzierung aus (wem das garnichts sagt, der möge sich diesen Link ansehen) und die Wendeltreppe trägt tatsächlich den Namen "DNA Spiral Staircase".

Wie das folgende Bild zeigt, tragen selbst die Bodenfliesen in den Labors das DNA-Design, was ich ziemlich nett finde:



Durch eines der runden Fenster, die im ersten Bild zu sehen waren, blicke ich direkt auf Downtown Vancouver:

Der "Grouse-Grind"

Blickt man vom Dach meines Labors Richtung Norden, so kann man hinter der Skyline von Vancouver Downtown drei Berge bewundern: Cypress Mountain, Grouse Mountain und Mount Seymour. Eigentlich wollte ich von diesem Anblick ein Foto machen und hier reinstellen, aber irgendwelche Security-Nazis sperren offenbar täglich um 16:00 den Zugang zum Dach im 15. Stock zu.

Wie auch immer. Auf die Spitze des Grouse Mountain führen sowohl eine Seilbahn als auch der sogenannte "Grouse-Grind", eine Art Waldweg. "Grind" bedeutet in diesem Zusammenhang soviel wie "Schinderei", aber auch das österreichische "Schleifen" wie im Satz "Mein Ausbildner hat uns beim Bundesheer nur geschliffen!". Wie es zu diesem Namen kommt ist schnell erklärt: auf dieser extrem steilen Wanderroute legt der automasochistische Wandersmann auf nur 2.9 km Strecke 853 Höhenmeter zurück!



Nichtsahnend ließ ich mich von meinem Diplomarbeitsbetreuer Dieter am Montag, also am Tag nach meiner Ankunft, zu diesem körperlichen Overkill mitschleifen. Als ich erwähnte, dass ich aufgrund der heftigen Feierlichkeiten am Wochenende und des Jetlags nach 14 Stunden Flug wahrscheinlich nicht in bester Form sei, entgegnete er nur "So überwindet man den Jetlag eh am besten; gleich dem Körper zeigen, wann Tag und wann Nacht ist..."

Und natürlich wollte ich nicht gleich am ersten Tag schwindend geringe Ausdauer und mangelnden Ehrgeiz zeigen. Also erklomm ich fröhlich beschwingten Schritts die ersten Stufen. Nach einem Viertel des Weges war ich vollkommen außer Atem, nach der Hälfte deliriös und bei spätestens bei der Dreiviertelmarke war mein modisch übers Genick reichendes Haar triefnass vor Schweiß.



Am Gipfel angekommen erwartete ich eigentlich eine kleine Hütte mit exorbitanten Getränkepreisen und noch viel exorbitant unfreundlicherem Personal - wie in Österreich eben. Stattdessen empfing mich das "Peak Chalet" (Gipfelschloß), ein großes Gebäude mit Vergnügungspark-Flair, vollgestopft mit Restaurants und Bars.



Dort gab ich meinem ohnehin schon vom Sauerstoffmangel in die Knie gezwungenen Gehirn noch mit ein, zwei, drei Bier den Rest und schaute mir die hübschen Kellnerinnen an. Hinunter ging's zum Glück mit der Seilbahn.

Mittlerweile habe ich den Grouse-Grind ein zweites Mal bewältigt, diesmal ausgeruht, in gleichmäßigem Tempo und fast ohne Pausen. Oben angekommen bestellte ich gemeinsam mit Dieter, Jason (einem chinesischen Arbeitskollegen, den ich hier sicher bald mal vorstellen werde) eine Portion "Grouse Mountain Nachos", die wir jedoch nicht einmal zu dritt vollständig aufessen konnten. So bekam ich zumindest die unnötig verbrannten Kalorien wieder herein...

Sonntag, 20. Juli 2008

Ankündigung

Nachdem der erste Beitrag viel zu lang geworden ist, habe ich beschlossen, ab jetzt nur mehr ein Ereignis pro Post zu beschreiben…

Samstag, 12. Juli 2008

Die Vorgeschichte

Liebe Freunde!

Willkommen zu meinem neuen Blog. Ich habe ihn anlässlich meines Versuches, in Vancouver meine Masterarbeit zu schreiben, eingerichtet. Ich werde versuchen, mich auf möglichst unterhaltsame Art und Weise digital zu prostituieren; für meine Freunde, meine Familie, meine Studienkollegen und all jene, deren Leben so inhaltslos ist, dass sie freiwillig ihre Zeit und Würde auf dieser Seite verlieren.

Dieser erste Eintrag wird etwas länger und vielleicht für viele von Euch noch nicht so interessant sein. Ich sitze derzeit im Flugzeug und möchte noch, bevor meine Berichterstattung aus Vancouver losgeht, ein bisschen etwas über meine Ausgangssituation und die Vorkommnisse der letzten paar vergangenen Tagen erzählen.

Leider stellen ein zum Bersten gefüllter Magen, eine von der Klimaanlage eingetrocknete Nasenschleimhaut und hässliche Stewardessen, die ständig an mir vorbeihuschen, keine ideale Situation zum Schreiben eines vernünftigen Beginns meiner Dokumentation dar. Aber was soll’s, besser ihr gewöhnt euch an meinen absurden Schreibstil früher als später.

In the beginning the Universe was created. This has made a lot of people very angry and has been widely regarded as a bad move.
-Douglas Adams (Author der “Hitchhiker’s Guide To The Galaxy”)

Eigentlich hätte meine Zeit in Vancouver bereits am ersten Juli beginnen sollen, jedoch fand in der ersten Woche dieses Monats eine große, vier-tägige Hochzeitsparty in Rieneck nahe Würzburg statt. Wendy, eine Britin, und Christopher, ein Deutscher, beides Freunde, die ich von einem internationalen Seminar für Pfadfinderleiter kenne, heirateten in Rieneck (nahe Würzburg).
Sowohl die Location (eine mittelalterliche Burg) als auch die eingeladenen (Freunde aus aller Welt, darunter IsländerInnen, Lettinnen, Norweger, etc.) waren Garant für ein wunderbares Fest voller Musik, Ausschweifung und ubiquitärer Betrunkenheit.

Mein Diplomarbeitsbetreuer, Dr. Dieter Fink, ein Burgenländer, der nun schon einige Jahre in Vancouver arbeitet, war freundlicherweise damit einverstanden, dass ich partybedingt erst am Ende der ersten Juliwoche anreise. Meine Wohnung ist übrigens für die Dauer meines Auslandsaufenthaltes an eine nette Salzburgerin vermietet, Kati kümmert sich um meine Pfadfinderkinder, die letzten Prüfungen wurden mit zeitlich bedingtem Minimalaufwand absolviert und mein Zigarrenhumidor bekam frisches destilliertes Wasser. Ich lasse somit keinerlei Verpflichtungen zurück.

Also machte ich mich vor fünf Tagen mit meinen Kindergartenfreunden Tobi und Schabi auf die Reise nach Nürnberg, um dort meinen Bruder Florian zu besuchen und dann von dort auf die Hochzeit zu fahren.

Die Fahrt im ICE war eine entbehrungsreiche Angelegenheit. Die Hitze war grenzenlos, da die Klimaanlage in unserem Abteil ausgefallen war. Die Fahrt dauerte zudem viel länger als erwartet, da, um den Schaffner zu zitieren, „das Triebfahrzeug defekt ist und nur mit verminderter Leistung fahren kann“. Ich entlarvte diese Formulierung augenblicklich als grenzenlosen Euphemismus, was aber nicht weiterhalf. Unter diesen Bedingungen konnte man es uns nicht verübeln, dass wir unser Leid im Alkohol zu ertränken versuchten. Das war auch ein Euphemismus; „alkoholischer Holocaust“ kommt schon näher heran, klingt aber vielleicht doch etwas zu hart. Mit großem handwerklichem Geschick bastelten wir uns aus leergetrunkenen Bierdosen drei Wodka-Orange-Becher, die später, als wir die Wodkaflasche geleert hatten, auch als Weingläser herhalten mussten. Wir waren schon recht lustig drauf, als der Zug in einem Ort mit dem malerischen Namen „Feucht“ stehenblieb und wir informiert wurden, dass uns ein „Böschungsbrand“ auf der Strecke den Weg versperrt. Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt dem Universum und seinen Geschehnissen bereits eine großzügige Gleichgültigkeit entgegenhielten.



Irgendwann ging es weiter und wir wurden freudig von meinem Bruder Florian am Nürnberger Bahnhof empfangen. Zu unserer großen Überraschung sprang plötzlich auch Inga Auðbjörg Kristjánsdóttir, eine verrückte Isländerin und langjährige Freundin von uns vieren, hervor. Die Freude war groß und die Feierlichkeiten gingen ungebremst weiter. Am nächsten Tag gingen wir nach Nürnberg. Ich kaufte mir kurz entschlossen einen Mp3-Player (2GB, 20 Euro, unglaublich, wie wenig die Teile heutzutage kosten). Den Abend verbrachten wir anfangs in einer extrem kleinen Bar, „Mata Hari“, wo ich vom Barkeeper angefuckt wurde, nur weil ich ihn gefragt hatte, „was denn der stärkste Cocktail hier sei“. Wie auch immer. Es ging weiter in eine Karaoke-Bar, dann in ein Irish-Pub, wo wir erst heraustorkelten, als es draußen taghell war, die „gelbe Sau“ am Himmel stand und unsere Zungen Guiness-gesotten im Mund hingen.



Auf unserer Reise zur Burg Rieneck, die uns über Würzburg führte, wurden wir erneut von der Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn heimgesucht. Mehrmals. Ziemlich geschafft erreichten wir schließlich den Veranstaltungsort der Hochzeitsfeierlichkeiten, wo wir von drei hübschen, altbekannten Lettinnen begrüßt wurden und wir uns wie eine marodierende Horde nacheinander Koteletts in unsere fiesen Visagen stopften und unverzagt Bier hinterher leerten.



Ich werde die Hochzeitsparty hier nicht genauer beschreiben. Sie war mit gewohnter deutscher Perfektion organisiert und stellte eine wunderbare Gelegenheit für mich da, mich von vielen lieben Freunden zu verabschieden. Wie zu erwarten war schlief ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag nur minimal (2 Stunden), was angesichts des bevorstehenden 12-Stunden Flugs eigentlich eine ganz schlechte Idee war.

Der Flug verlief ereignislos. Wie bereits erwähnt waren die Stewardessen bis auf eine einigermaßen passable Asiatin ziemlich unansehnlich, was mir im ersten Moment Tränen des Zorns in die von der Klimaanlage geröteten Augen trieb. Ich verbrachte die Zeit damit, mir noch einmal Martin’s Diplomarbeit, auf der die meinige aufbauen wird, durchzulesen, große Teile dieses Blogeintrags zu schreiben, meinen neuen Mp3-Player auszuprobieren und Kaffee zu trinken. Da ich ohnehin aufgrund der Hochzeitsfeierlichkeiten hoffnungslos übernächtig war, entschied ich mich, den ganzen Flug lang nicht zu schlafen, sozusagen „durchzutauchen“ und damit die Bewältigung des Jetlags irgendwie besser hinzukriegen.

Am Flughafen wurde ich netterweise von meinem Diplomarbeitsbetreuer Dieter abgeholt, bei dem ich auch die nächsten Tage/Wochen schlafen werde, bis ich eine passende Wohnung gefunden habe. Die Ereignisse der ersten Woche folgen im nächsten Blogeintrag… stay tuned und liebe Grüße aus Vancouver!