Liebe Freunde!
Willkommen zu meinem neuen Blog. Ich habe ihn anlässlich meines Versuches, in Vancouver meine Masterarbeit zu schreiben, eingerichtet. Ich werde versuchen, mich auf möglichst unterhaltsame Art und Weise digital zu prostituieren; für meine Freunde, meine Familie, meine Studienkollegen und all jene, deren Leben so inhaltslos ist, dass sie freiwillig ihre Zeit und Würde auf dieser Seite verlieren.
Dieser erste Eintrag wird etwas länger und vielleicht für viele von Euch noch nicht so interessant sein. Ich sitze derzeit im Flugzeug und möchte noch, bevor meine Berichterstattung aus Vancouver losgeht, ein bisschen etwas über meine Ausgangssituation und die Vorkommnisse der letzten paar vergangenen Tagen erzählen.
Leider stellen ein zum Bersten gefüllter Magen, eine von der Klimaanlage eingetrocknete Nasenschleimhaut und hässliche Stewardessen, die ständig an mir vorbeihuschen, keine ideale Situation zum Schreiben eines vernünftigen Beginns meiner Dokumentation dar. Aber was soll’s, besser ihr gewöhnt euch an meinen absurden Schreibstil früher als später.
In the beginning the Universe was created. This has made a lot of people very angry and has been widely regarded as a bad move.
-Douglas Adams (Author der “Hitchhiker’s Guide To The Galaxy”)
Eigentlich hätte meine Zeit in Vancouver bereits am ersten Juli beginnen sollen, jedoch fand in der ersten Woche dieses Monats eine große, vier-tägige Hochzeitsparty in Rieneck nahe Würzburg statt. Wendy, eine Britin, und Christopher, ein Deutscher, beides Freunde, die ich von einem internationalen Seminar für Pfadfinderleiter kenne, heirateten in Rieneck (nahe Würzburg).
Sowohl die Location (eine mittelalterliche Burg) als auch die eingeladenen (Freunde aus aller Welt, darunter IsländerInnen, Lettinnen, Norweger, etc.) waren Garant für ein wunderbares Fest voller Musik, Ausschweifung und ubiquitärer Betrunkenheit.
Mein Diplomarbeitsbetreuer, Dr. Dieter Fink, ein Burgenländer, der nun schon einige Jahre in Vancouver arbeitet, war freundlicherweise damit einverstanden, dass ich partybedingt erst am Ende der ersten Juliwoche anreise. Meine Wohnung ist übrigens für die Dauer meines Auslandsaufenthaltes an eine nette Salzburgerin vermietet, Kati kümmert sich um meine Pfadfinderkinder, die letzten Prüfungen wurden mit zeitlich bedingtem Minimalaufwand absolviert und mein Zigarrenhumidor bekam frisches destilliertes Wasser. Ich lasse somit keinerlei Verpflichtungen zurück.
Also machte ich mich vor fünf Tagen mit meinen Kindergartenfreunden Tobi und Schabi auf die Reise nach Nürnberg, um dort meinen Bruder Florian zu besuchen und dann von dort auf die Hochzeit zu fahren.
Die Fahrt im ICE war eine entbehrungsreiche Angelegenheit. Die Hitze war grenzenlos, da die Klimaanlage in unserem Abteil ausgefallen war. Die Fahrt dauerte zudem viel länger als erwartet, da, um den Schaffner zu zitieren, „das Triebfahrzeug defekt ist und nur mit verminderter Leistung fahren kann“. Ich entlarvte diese Formulierung augenblicklich als grenzenlosen Euphemismus, was aber nicht weiterhalf. Unter diesen Bedingungen konnte man es uns nicht verübeln, dass wir unser Leid im Alkohol zu ertränken versuchten. Das war auch ein Euphemismus; „alkoholischer Holocaust“ kommt schon näher heran, klingt aber vielleicht doch etwas zu hart. Mit großem handwerklichem Geschick bastelten wir uns aus leergetrunkenen Bierdosen drei Wodka-Orange-Becher, die später, als wir die Wodkaflasche geleert hatten, auch als Weingläser herhalten mussten. Wir waren schon recht lustig drauf, als der Zug in einem Ort mit dem malerischen Namen „Feucht“ stehenblieb und wir informiert wurden, dass uns ein „Böschungsbrand“ auf der Strecke den Weg versperrt. Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt dem Universum und seinen Geschehnissen bereits eine großzügige Gleichgültigkeit entgegenhielten.

Irgendwann ging es weiter und wir wurden freudig von meinem Bruder Florian am Nürnberger Bahnhof empfangen. Zu unserer großen Überraschung sprang plötzlich auch Inga Auðbjörg Kristjánsdóttir, eine verrückte Isländerin und langjährige Freundin von uns vieren, hervor. Die Freude war groß und die Feierlichkeiten gingen ungebremst weiter. Am nächsten Tag gingen wir nach Nürnberg. Ich kaufte mir kurz entschlossen einen Mp3-Player (2GB, 20 Euro, unglaublich, wie wenig die Teile heutzutage kosten). Den Abend verbrachten wir anfangs in einer extrem kleinen Bar, „Mata Hari“, wo ich vom Barkeeper angefuckt wurde, nur weil ich ihn gefragt hatte, „was denn der stärkste Cocktail hier sei“. Wie auch immer. Es ging weiter in eine Karaoke-Bar, dann in ein Irish-Pub, wo wir erst heraustorkelten, als es draußen taghell war, die „gelbe Sau“ am Himmel stand und unsere Zungen Guiness-gesotten im Mund hingen.

Auf unserer Reise zur Burg Rieneck, die uns über Würzburg führte, wurden wir erneut von der Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn heimgesucht. Mehrmals. Ziemlich geschafft erreichten wir schließlich den Veranstaltungsort der Hochzeitsfeierlichkeiten, wo wir von drei hübschen, altbekannten Lettinnen begrüßt wurden und wir uns wie eine marodierende Horde nacheinander Koteletts in unsere fiesen Visagen stopften und unverzagt Bier hinterher leerten.

Ich werde die Hochzeitsparty hier nicht genauer beschreiben. Sie war mit gewohnter deutscher Perfektion organisiert und stellte eine wunderbare Gelegenheit für mich da, mich von vielen lieben Freunden zu verabschieden. Wie zu erwarten war schlief ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag nur minimal (2 Stunden), was angesichts des bevorstehenden 12-Stunden Flugs eigentlich eine ganz schlechte Idee war.
Der Flug verlief ereignislos. Wie bereits erwähnt waren die Stewardessen bis auf eine einigermaßen passable Asiatin ziemlich unansehnlich, was mir im ersten Moment Tränen des Zorns in die von der Klimaanlage geröteten Augen trieb. Ich verbrachte die Zeit damit, mir noch einmal Martin’s Diplomarbeit, auf der die meinige aufbauen wird, durchzulesen, große Teile dieses Blogeintrags zu schreiben, meinen neuen Mp3-Player auszuprobieren und Kaffee zu trinken. Da ich ohnehin aufgrund der Hochzeitsfeierlichkeiten hoffnungslos übernächtig war, entschied ich mich, den ganzen Flug lang nicht zu schlafen, sozusagen „durchzutauchen“ und damit die Bewältigung des Jetlags irgendwie besser hinzukriegen.
Am Flughafen wurde ich netterweise von meinem Diplomarbeitsbetreuer Dieter abgeholt, bei dem ich auch die nächsten Tage/Wochen schlafen werde, bis ich eine passende Wohnung gefunden habe. Die Ereignisse der ersten Woche folgen im nächsten Blogeintrag… stay tuned und liebe Grüße aus Vancouver!